2026-05-16 –, ENUM
Language: Deutsch
In Zeiten rascher Empörungswellen und zunehmender gesellschaftlicher Polarisierung wird es immer schwieriger, das Notwendige zu sagen und zu verteidigen. Während autoritäre Regime wie die Islamische Republik Iran oder China „Moral“ und „Stabilität“ als Vorwand nutzen, um Dissens zu zensieren und Narrative auch in offenen Gesellschaften zu platzieren, trägt selektive Empörung aus Teilen der digitalen Zivilgesellschaft selbst dazu bei, dass kritisches Sprechen erschwert oder unmöglich wird.
Globale Konflikte – von der Ukraine über Israel/Iran bis hin zu den Spannungen mit China und den USA – zwingen den Diskurs in starre Lager. Komplexität wird durch eine vereinfachte, moralisch aufgeladene Brille betrachtet. Viele lagern die Verantwortung für den öffentlichen Diskurs an Institutionen wie HateAid oder ähnliche Akteure aus – sei es aus Überforderung, Zeitmangel oder Bequemlichkeit. Doch Demokratie lebt vom mündigen Handeln jedes Einzelnen, nicht von der Delegation an paternalistische Strukturen.
Dogmen, selektive Lautstärke und ein gut gemeinter, aber letztlich zähmender Paternalismus hinterlassen eine gezähmte Netzbewegung. Das „Notwendige“ wird immer schwerer kommunizierbar. Basierend auf konkreten Beispielen aus dem letzten Jahr (u. a. der Debatte um HateAid und transatlantische Sanktionen, Internet-Shutdowns im Iran und polarisierte Diskurse zu aktuellen Kriegen) knüpft dieser Vortrag direkt an den Talk „Digitalität und Mündigkeit“ von Schoresch Davoodi bei TDF 2025 an.
Wir zeigen, am Beispiel der internationale Piratenbewegung (Pirate Parties International) versucht hat, das Sagbare und die Mündigkeit des Diskurses aktiv zu verteidigen. Gleichzeitig fragen wir: Wie kann die Netzbewegung in Zeiten globaler Konflikte zwischen Freiheit und Autokratie handlungsfähig bleiben, ohne sich selbst zu zähmen?
Schoresch Davoodi ist sicherheitspolitischer Analyst und engagierter Netzpolitiker mit Fokus auf Außen- und Europapolitik.
Er ist Themenbeauftragter für Europapolitik der Piratenpartei Deutschland, Mitglied der AG Außenpolitik der Partei. International ist er Vorstandsmitglied (Alternate Board Member) der Pirate Parties International (PPI) für die Amtszeit 2025–2027.
Mit einem Studium der Politikwissenschaft und Geschichte an der Ruhr-Universität Bochum bringt er langjährige Expertise in internationalen Konfliktanalysen, geopolitischen Entwicklungen im Nahen und Mittleren Osten, Informationskrieg, hybriden Bedrohungen und digitaler Resilienz mit. Er analysiert regelmäßig die Schnittstellen von Geopolitik, Desinformation und demokratischer Widerstandsfähigkeit.
In Vorträgen und Beiträgen – unter anderem auf der Pirate Security Conference, dem Hack the Promise Festival oder zu Themen wie „Digitalität und Mündigkeit“ – verbindet er fachliche Tiefe mit einer klaren, progressiven und freiheitlichen Perspektive. Sein Engagement gilt einer starken, wertebasierten Europapolitik, der Stärkung offener Gesellschaften und dem Schutz digitaler Freiheitsrechte in Zeiten von Hybridkonflikten und autoritären Einflüssen.
Langjähriges Mitglied der Piratenpartei, derzeitig im Bundesvorstand.